Das römische Heer
(1. Jahrhundert v. Chr.)



Anfangs ein reines Bürgerheer, in das jeder - und nur - römische Bürger vom 17. Lebensjahr bis zum 60. Lebensjahr eingezogen werden konnte, die "iuniores" (17. - 46. Lebensjahr) sowie die "seniores" (47. - 60. Lebensjahr - in der Regel nur noch als Besatzungssoldaten) , war das Heer der späten Republik zum großen Teil bereits zu einem Heer von "Zeit-" und "Berufssoldaten" geworden.

Die organisatorische oder administrative Einheit des Heeres war die Legion mit einer Stärke, deren Zahl großen Schwankungen unterworfen war und etwa 4000 bis 6000 Mann betrug.
Die taktischen Einheiten bildeten sehr wahrscheinlich die zehn gleich großen Kohorten einer Legion, die wiederum in jeweils 3 Manipel (principes, hastati, triarii) zu je 2 Zenturien aufgeteilt waren.
(Es sollte allerdings nicht unerwähnt bleiben, dass von vielen Autoren auch das Manipel als die eigentliche taktische Einheit angenommen wird)

1 Legion= 10 Kohorten= 4200 - 6000 Mann
1 Kohorte= 3 Manipel = 420 - 600 Mann
1 Manipel= 2 Zenturien = 140 - 200 Mann
1 Zenturie  = 70 - 100 Mann


Grundschema einer Legion des 1. Jahrhunderts v. Chr. in Schlachtordnung.
(Detaliertere Aufstellung siehe: Legion in Schlachtordnung)

4. Kohorte   3. Kohorte   2. Kohorte   1. Kohorte

  7. Kohorte   6. Kohorte   5. Kohorte  

  10. Kohorte   9. Kohorte   8. Kohorte  


Rangordnung
Seit sullanischer Zeit (Anfang 1. Jhd. v.Chr.) führten kaum mehr wie früher die Konsuln das Oberkommando, sondern die Promagistrate, also die Prokonsuln und Proprätoren (ein Grund hierfür waren sicherlich die immer länger andauernden Kriege in immer entfernteren Gegenden).
Die weitere Kommandostruktur scheint relativ flexibel gehandhabt und von Fall zu Fall vergeben worden zu sein; ranghöchste Unterfeldherrn waren die dem Senatorenstand entstammenden Legaten (legati), meistens als Befehlshaber mehrerer oder einzelner Legionen (bei Caesar auch schonmal der Quästor, eigentlich für Verpflegung und Bezahlung zuständig, BG I, 52,1 u. BG V, 24,3), es folgten die Präfekten (praefecti) und aus dem Ritterstand die Tribunen (tribuni).
Die Stellung der Zenturionen ist ebenfalls nur schwer einzuordnen, da sie nach heutigem Ermessen dem Stand der Unteroffiziere entsprachen, aber die Funktion eines Leutnants oder Hauptmanns (Kompaniechef) ausübten. Innerhalb der Zenturioen, die als priores und posteriores je einer Zenutrie vorstanden, nahm die höchste Position der prior der 1. Kohorte ein.
Vom einfachen Soldaten unterschieden sich noch der "optio", als stellvertrender Zenturio, der aquilifer (er trug den von Marius als Feldzeichen eingeführten Legionsadler) sowie die signiferi, die die Feldzeichen der Kohorten und Manipel trugen.

Bewaffnung:
Zur Abwehr trug der Legionär einen Helm aus Bronze (galea), einen Brustpanzer (lorica), der in dieser Zeit (1. Jhd. v.Chr.) vom Leder- zum Metallpanzer überging, sowie einen zylindrisch gewölbten Schild (scutum) von etwa 1,2 m Höhe und 1 m Breite.
Zum Angriff benutzte man zwei 1,5 bis 1,7 m lange Wurfspieße (pila) mit einer Spitze aus Weicheisen, die sich beim Aufprall auf den Schild des Gegners verbog und dadurch zu erheblichen Behinderungen führte. Im Nahkampf kam ein, vermutlich im 2. Punischen Krieg (218 - 201 v.Chr.) von den Iberern übernommenes Kurzschwert (gladius) von etwa 60 - 70 cm zum Einsatz, das nicht in erster Linie als Hieb-, sondern als Stichwaffe benutzt wurde und darum so wirksam war, "... weil Stichwunden kampfunfähiger machen als Hiebwunden und überdies ein Angreifer, der zusticht, weniger gefährdet ist." (RE VII 1, S. 1373/74).
Die römische Bürgerreiterei war zu dieser Zeit bereits nahezu vollständig von Reitern anderer Völker verdrängt worden, in erster Linie spanischer und afrikanischer, während nund nach dem "Gallischen Krieg" (58 - 51 v. Chr.) auch durch keltische und germanische Reiterei.
Die leichte Infanterie, vornehmlich Bogenschützen und Schleuderer, bestand zu dieser Zeit ebenfalls nahezu ausschließlich aus Hilfstruppen anderer Vöker, den numidischen und kretischen Bogenschützen und balearischen Schleuderern.
Als schwere Artillerie benutzte man Geschütze (tormenta), die entweder als Steinschleuder oder zum Abschuss schwerer Pfeile verwendet wurden.
Bei Belagerungen kamen u.a. mehrstöckige Türme (turres) mit z.T. horizontal aufgehängten Balken (aries) zum Einbruch der Mauer zum Einsatz, oder man arbeitete sich in unterirdischen Laufgängen (curniculi) oder mit Hilfe von Schutzschirmen (testudines) an die Mauern vor.


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