Römische Münzen
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Römische Münzstätten und ihre häufigsten Kennzeichen.



Aus: "Römische Münzen - von Pompejus bis Romulus", Björn Ralph Kankelfitz.

"In den ersten 300 Jahren kaiserlicher Münzprägung bis zur Mitte des 3. Jahrhunderts war es bis auf wenige Ausnahmen nicht üblich, Herkunftszeichen auf dem Stempel anzubringen. Erstmalig tauchten solche Hinweise auf den Münzen des Philippus Arabs auf (244 - 249 n. Chr.), und zwar Zahlen, die offenbar die Werkstätten (Offizinen) bezeichnet haben. Gut 20 Jahre später bürgert sich diese Sitte immer mehr ein. Unter Aurelianus wird sogar die Werteinheit gelegentlich wieder mitgeprägt, und etwa seit der Regierungszeit des Probus (276 - 282 n. Chr.) läßt sich die Herkunft der Münze durch die angebrachten Abkürzungen und Offizinzeichen verhältnismäßig sicher bestimmen.
Die allein ununterbrochen tätig gewesene Münzstätte über die Jahrhunderte hinweg war Rom, wobei nicht einmal bekannt ist, wieviel Werkstätten und Nebenfilialen zeitweilig unterhalten worden sind. Bei der gewaltigen Ausdehnung, die das Imperium im 1. und 2. Jahrhundert hatte, ist es erklärlich, daß der steigende Geldbedarf von einem einzigen Münzamt bald nicht mehr gedeckt werden konnte.
Noch unter Augustus wurde darum eine zweite wichtige Münze eröffnet: Lugdunum (Lyon), die etwa seit 15 v. Chr. tätig wird. Hier sollen zunächst nur Aurei, Denarii und Quinarii geprägt worden sein, aber schon nach wenigen Jahren änderte sich das. Wir kennen alle den berühmten Kupfer-As mit dem Altar von Lugdunum und so manche andere Bronzemünze, die die "Handschrift" dieser Prägestätte trägt.
Es kann als sicher angenommen werden, daß bereits zur Zeit der julisch-claudischen Kaiser Münzstätten außerhalb Italiens mit Genehmigung des Münzamts in Rom die Ausprägung verschiedener Einheiten vorgenommen haben. Dazu gehören anfangs Orte in Spanien und Gallien, vor allem aber die Großstädte Ephesus, Caesarea und Pergamon in Kleinasien, die neben den lokalen Ausgaben auch im Auftrage Roms "Reichsprägungen" herstellten. Nach den Bürgerkriegen kommen noch zahlreiche weitere Prägeorte hinzu, zumal das kaiserliche Münzamt mit dem Kaiser und seinen Truppen beweglich wird, um an Ort und Stelle das begehrte Kleingeld zu fabrizieren.
Für den Gesamtüberblick wichtig erscheint noch die Entwicklung nach dem Sieg des Severus über Pescennius Niger (194 n. Chr.). Dieser Kaiser hat bekanntlich ausschließlich in Antiochia, der Hauptstadt der Provinz Syrien, residiert. Sie war ohnehin die drittgrößte Stadt im Reich und münzte schon einige Zeit in großem Umfang nach dem Drachmenfuß. Nun erhielt sie von Severus kaiserliche Großaufträge und erlangte zeitweilig die Bedeutung Roms als Hauptmünzstätte des Reiches. Die Münzen nach dem "Reichsfuß" wurden aber auch in Antiochia zu dieser Zeit noch nicht gekennzeichnet, so daß die Zuordnung vielfach nur auf Vermutungen beruht.

Für das Verständnis der meist recht komplizierten Vorgänge im Münzwesen Roms seien hier noch einige Angaben über die Verwaltung hinzugefügt. Der eigentliche Münzherr mit dem alleinigen Prägerecht war stets der Kaiser, wenn auch nominell der Senat als Kontrollorgan miteingeschaltet wurde. Die administrative Leitung hatte eine Art "Geldminister", der den Titel RATIONALIS trug. Die technische Durchführung oblag dem jeweiligen Vorsteher einer Münzstätte (SACRA MONETA), ein hoher Beamter, der sich PROCURATOR MONETAE nannte. Diesem unterstanden die jeweiligen Zweigstellenleiter (OFFICINATOR) mit den verschiedenen Fachkräften: der Stempelschneider (SIGNATOR), der Zuschläger (MALLEATOR), der Zureicher (SUPPOSTOR). Die Graveure und Medailleure hatten jeweils einen eigenen, wohl kunstsachverständigen Vorgesetzten (PRAEPOSITUS), der seine Weisungen nur vom Minister erhielt. Alle zusammen bildeten den Münzverband, die FAMILIA MONETALIS, der später sogar (unter Aurelianus 270 - 275 n. Chr.) mit dem Zwang der erblichen Berufsfolge einen sippenähnlichen Charakter annahm.
Es läßt sich leicht vorstellen, daß dieser Verband auch ambulant tätig werden konnte und sich dort niederließ, wo es die (meist strategische) Lage erforderte. Daraus sind dann später lokale festansässige Münzämter geworden, die den Geldbedarf der Provinzen deckten. Im 3. Jahrhundert wurden viele von ihnen geschlossen, um erst unter Diocletian (284 - 305 n. Chr.) erneut als Reichsmünzämter tätig zu werden.



Römische Münzstätten der Kaiserzeit (alphabetisch):
Die angegebenen Zeichen und Symbolen geben dabei keine Vollständigkeit wieder (griech. Buchstaben werden - soweit identisch - in lat. Schrift wiedergegeben, ansonsten ausgeschrieben "Gamma", "Delta" etc.).


ALEXANDRIA (Alexandria)
Reichsmünzstätte seit 294 n. Chr. unter Diocletian; geschlossen 423 n. Chr., wiedereröffnet 454 n. Chr.; Ende der Prägungstätigkeit unter Leo I. 474 n.Chr.
Im Abschnitt: AL, ALE, ALEA, ALEB, ALET, SMAL (SM = Sacra Moneta), SMALA
Im Feld: Griechische Buchstaben und Zahlen: A, B, Gamma, Delta, E etc.
Beizeichen: Kleiner Kranz, Stern, Palmzweig, Mondsichel.

AMBIANUM (Amiens)
350 n. Chr. durch den Rebellenkaiser Magnentius in Betrieb genommen. Vermutlich durch Constantius II. nach dem Tod des gallischen Usurpators 353 n. Chr. wieder geschlossen.
Im Abschnitt: AMB, AMI
Im Feld: AV, AMI
Beizeichen: Mondsichel, Palmzweig.

ANTIOCHIA (Antakya)
Seit 293 n. Chr. Reichsmünzstätte und bis 474 n. Chr. ununterbrochen in Betrieb.
Im Abschnitt: AN, ANA, ANB, AN(Gamma), AN(Delta), ANE, ANS, ANOB, ANOBA;
ANT, ANTA, ANTB, ANT(Gamma), ANTE;
SMA (SM = Sacra Moneta), SMAS, SMAN, SMANA, SMANE, SMANT;
KANOP, PANOB
Im Feld: A, B, Gamma, Delta, E, S, Z, H, (Delta), E, I, K, (Theta), T.
Beizeichen: Kranz, Stern, Mondsichel mit Stern, Punkt, Kreuz, Christogramm.

AQUILEIA (Aquileia bei Triest)
Geöffnet 294 n. Chr., geschlossen 423 oder 425 n. Chr.
Im Abschnitt: AQ, AQA, AQOB, AOP (bis Gamma), AQS, MAQ, SMAQ (P, S).
Im Feld: SF, L, V, VI, A
Beizeichen: Stern, Mondsichel, Palmzweig, Kreuz.

AUGUSTA (London)
Siehe auch LONDINIUM; in der Regierunsgzeit des Magnus Maximus (383 - 388 n. Chr) wurden in London unter dem Namen AUGUSTA Münzen geprägt.
Im Abschnitt: AVG, AVGOB, AVGPS

ARELATE (Arles)
313 n. Chr. mit dem Fundus der Münzstätte OSTIA errichtet. 328 n. Chr. umgetauft in CONSTANTINA. 340 n. Chr. umbenannt in ARELATE. 352 n. Chr. erneut umgetauft und bis 474 n. Chr. unter dem Namen CONSTANTINA in Betrieb.
Im Abschnitt: ARLA, ARLP, P.A, PAR, PARL/PCON, SCON, TCON, PCONST; KONOB, KONS.
Im Feld: MF, SF, TF; CS; OF, RS;
Beizeichen: Stern, Palmzweig, Pinienzweig, Kranz, Tanne, Christogramm, schräges Kreuz, Kreis.

BARCINO (Barcelona)
409 - 411 n. Chr. unter Maximus vorübergehend geöffnete Münzstätte. Einziges bekanntes Zeichen:
Im Abschnitt: SMBA (SM = Sacra Moneta).

CAMULODUNUM oder CLAUSENTUM
(Colchester oder Bitterne nahe Southampton)
287 n. Chr. in Betrieb gewesene Münzstätte unter den Rebellenkaisern Carausius und Allectus.
Im Abschnitt: C, CL, PC, QS, SPC
Im Feld: SA, SP

CARTHAGO (Nähe Tunis)
Während der Tetrarchie tätig gewesene Münzstätte 296 - 307 n. Chr. und 308 - 311 n. Chr.
Im Abschnitt: PA, PKA (bis Delta), PKP, KART (in RV Legende).
Im Feld: I, H

COLONIA AGRIPPINA (Köln)
Von 257 - 274 n. Chr. tätig gewesene Münzstätte, hat vorwiegend für Postumus, Victorinus und (nicht gesichert) für den Drei-Tage-Kaiser Marius geprägt. Angebliches Kennzeichen:
Im Abschnitt: CA
Im Feld: V, VP, P

CONSTANTINOPOLIS (Istanbul)
326 - 423 n. Chr. für Westrom, arbeitet im Anschluss für Ostrom weiter.
Im Abschnitt: C . A (bis H), C~A, C~I, CONA (bis Delta); CODSZ, CONCM; CONS, CONSA (bis Z), CONSSZ, CONOB, CONST, CONSP, MCONS, MCONSA.
Im Feld: A, B, O
Beizeichen: Stern, Palmzweig, Kreuz, Christogramm.

CYZICUS (Balkiz, Türkei)
286 - 423 n. Chr. für Westrom tätig. Im Anschluss für Ostrom. Unter Leo I. 474 n. Chr. endgültig geschlossen.
Im Abschnitt: CM, KV (A bis Delta), MKV, (A bis S), SMK (A bis E).
Im Feld: A (bis S), I, X, T
Beizeichen: Stern, Kranz.

HERACLEA (Eregli, Thrakien)
291 oder 293 n. Chr. gegründet aus dem Fundus con CYZICUS; ab 423 n. Chr. nur noch mit Unterbrechungen in Betrieb bis 474 n. Chr.
Im Abschnitt: HA (bis E), HTA (bis S), MHTA, SMH, SMHA (bis Delta), SMHT, HERA (CL).
Im Feld: A, E, HA, HE, I.
Beizeichen: Stern, Mondsichel, Zweig, Girlande, Kreuz.

LONDINIUM (London)
Tätig von 286 - 325 n.Chr. und unter Magnus Maximus von 383 - 388 n. Chr.
Im Abschnitt: LON, ML, MLL, MLN, MLXXI, MSL, ohne Mzz. (305 - 307 n.Chr.), PLN, PLON (v. 383 - 388 n. Chr.) AVG (OB), AVG PS.
Im Feld: BE, BL, D, EO, FO, O, PA, S, SA, SP.
Beizeichen: Stern, Mondsichel, Amboss, Würfel, Girlande im Quadrat.

LUGDUNUM (Lyon)
Alte Münzstätte. Seit 283 n. Chr. (für Carinus) mit eigenem Münzzeichen (LVG), 423 n. Chr. endgültig geschlossen.
Im Abschnitt: COM (für Gold), LA-B, LVG, LP, LVGN, LVGPS, LVGS, PL, PLA-B, PLC, PLG, PLVG, SML, SMLAP, SMLVG.
Im Feld: A, B, C, D, F, N, S, T; CI, CR, HS, LD (für Gold).
Beizeichen: Stern, Mondsichel, Altar, Palmzweig.

MEDIOLANUM (Mailand)
Wahrscheinlich bereits seit 259 n. Chr. tätig; mit eigenem Münzzeichen erstmals 364 n. Chr. (unter Valentinian). 423 n. Chr. geschlossen, 457 n. Chr. wieder eröffnet, endgültige Schließung 475 n. Chr.
Im Abschnitt: COM, COMOB (für Gold); MED, MDPS, MDOB, SMMED.
Im Feld: MD (für Gold).

NICOMEDIA (Ismit, Türkei)
Seit 294 n. Chr. ununterbrochen in Betrieb bis 474 n. Chr.
Im Abschnitt: MN, MNA, N, NIK(E), NNM, SMN (a bis I), SN
Im Feld: A bis Z (griech. 7), N, S, T X.
Beizeichen: Stern, Kranz, Palmzweig, Girlande, Christogramm.

OSTIA (Ostia, Hafen von Rom)
308 n. Chr. von Maxentius in Betrieb genommen; 313 n. Chr. wieder geschlossen und nach Arelate (Arles) transportiert.
Im Abschnitt: MOST (A bis Delta) oder P, S, T, Q, POST.
Beizeichen: Stern.

RAVENNA (Ravenna)
Um 400 n. Chr. von Honorius gegründet, arbeitete bis 493 n. Chr., nachdem 475 n. Chr. durch Leo I. eine kurze Schließung erfolgt war.
Im Abschnitt oder Im Feld: RV, R~V, RVPS

ROMA (Rom)
Nahezu ununterbrochen tätig bis 476 n. Chr.
Im Abschnitt: R~A (bis Z = 7), RB, RBP, REB, REP (bis Q), REZ, RFP, RIE, RIZ, RT, RVA, RZ, ROMA; ROMOB, RP (S, T, Q), PR, P (S, T, Q), KA (A bis S), JMR, SMRB, SMRE, SMRP (S, T, Q), VRB ROM.
Im Feld: CS, E, OF-S, B, T, Q, E, R, RF, RS.
Beizeichen: Perlenkranz mit Schleife, Blitzbündel, Mondsichel, Stern, Kranz aus Zweigen, Palmzweig, Herzblatt.

SERDICA (Sofia)
Erste Prägeperiode 303 - 308 n. Chr.; 2. Prägeperiode 313 - 314 n. Chr. für Licinius und Constantinus I.
Im Abschnitt: SMSD (A bis E), SER
Im Feld: A, B, Gamma, Delta, E, S, Sigma, N.
Beizeichen: Punkt, Mondsichel.

SIRMIUM (Sremska Mitrovica)
Mehrere Prägeperioden: 320 - 326 n. Chr.; 351 - 364 n. Chr.; 379 n. Chr; 393 - 395 n. Chr.
Im Abschnitt: CM, KV (A bis Delta), MKV, (A bis S), SMK (A bis E).
Im Abschnitt:SIRM, ASIRM, BSIRM, SIROB, SMSPV.
Im Feld: SM (für Gold).
Beizeichen: Stern, Punkt.

SISCIA (Sisak)
Wahrscheinlich schon seit 262 n. Chr. in Betrieb; seit 294 n. Chr. bedeutendste Münzstätte des Balkan-Gebiets; um 387 n. Chr. endgültig geschlossen.
Im Abschnitt: ASIS, BSIS, ASISC, BSISC, BSISC, PS, SIS, SISA (B, Gamma), SISC, SISCP, SISCPS, SMSISC.
Im Feld: A, B, Gamma, Delta, S, F, SF, x, VI.
Beizeichen: Stern, Palmzweig, Kranz, Christogramm, Mondsichel, Punkt, Dreizack, Strahlenkranz.

THESSALONICA (Saloniki)
Vermutlich 298 n. Chr. von Galerius eröffnet, tätig ohne Unterbrechung bis 474 n. Chr.; später mit Unterbrechungen für Ostrom.
Im Abschnitt: SMTES, SMTS, SMTSA, TES, TESA (bis Delta), TSA (VI, VII), TSA (bis E), THES, TS, TP (kleines x unter dem P = Rho) E, TESOB, THCOB, COM, COMOB.
Im Feld: Sigma, A (bis S), SF
Beizeichen: Stern, Christogramm, Ring.

TICINUM (Pavia)
Unter Aurelianus um 274 n. Chr. in Betrieb genommen; 326 n. Chr. geschlossen und nach Constantinopel geschafft.
Im Abschnitt: PST, (P bis Q), T, PTT, SMT, T, XXIT, XXT, TI, TTI, VITI.
Im Feld: A, B, C, (Delta), E, H, PR.
Beizeichen: Stern, Zweig, Mondsichel, Kreuz, Punkt.

TREVERI (Trier)
Bereits zwischen 260 und 274 n. Chr. in Betrieb; während der 1. Tetrarchie 293 n. Chr. wieder eröffnet; 423 n. Chr. endgültig geschlossen. Hauptmünzstätte des westlichen Reiches.
Im Abschnitt: PSTR, PT, PTR, PTRE, SMTR (A bis Q), TR, (I bis II) TR, TRP, TRS, für Gold: COM, TROB, TROBC, TROBS, TROBT, TRPS (Silber).
Im Feld: A, B, C, D, Gamma, AS, FT, SA, SC, SF, TF, TR.
Beizeichen: Stern, Mondsichel, Punkt, Kranz, Palmzweig.

TRIPOLIS (Tarabulus, Libanon)
Von 272 n. Chr. bis 293 n. Chr. in Betrieb.
Im Abschnitt: XXI
Im Feld: TR
Beizeichen: Stern, Palmzweig (im Abschnitt).

Aus: "Römische Münzen - von Pompejus bis Romulus", woraus auch der o.a. einleitende Text zu den Münzstätten stammt.


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